Offener Brief an: Ruth Humbel. «So miserabel verdienen die auch nicht.»

Frau Humbel

In kurzer Sache:

Sind Sie vor den Kopf gestossen?

Ich verhalte mich so frech weil Sie sich einer Branche nicht gerecht verhalten und einer Gesundheitspolitikerin nicht würdig. Na klar haben auch die Menschen bei der Küche und am Besen mehr verdient. Wir alle haben mehr verdient.

Wir protestieren auch nicht gegen diese Menschen. Wir protestieren gegen Menschen wie Sie, Frau Humbel. Die ja unsere Arbeiten schätzen, sie toll finden, ja eben systemrelevant würdigen. Beim Geld hört es dann aber doch auf. Ausbildungsplätze zu schaffen das ist wichtig. Ich gebe Ihnen recht. Aber die Arbeit honorieren wozu auch. Die oberen Chefs bei den Swiss dürfen dass. Die Armee mit neuen Kampfjets darf dass. Aber uns bleibt das Klatschen zu gute.

Die anderen könnnen das weil sie eine Mehrheit an Politiker*innen haben die Ihnen den Rücken stärkt im Parlament, die für Ihre Anliegen eintritt.

Die Pflege muss sich dann mit Menschen wie Sie umschlagen die sich Gesundheitspolitiker*innen nennen. Aber die Arbeit in Ihrer Branche nicht würdigen möchten. Auch wenn wir genau die Menschen sind die sich Tag und Nacht auf der ganzen Schweiz für Ihre Liebsten kümmern.

Wir werden weiter arbeiten müssen, damit Sie Zeit haben solch zynische Aussagen zu stellen und nicht ihre Liebsten selbst pflegen müssen. Auch ohne richtigen Lohn.

Respektvolle Grüsse

Fabio Haller, Fachangestellter Gesundheit

Die Antwort:

Sehr geehrter Herr Haller
Ich stehe in stetem Kontakt mit Pflegefachpersonen sowohl in meinem privaten wie im beruflichen Umfeld und habe eine grosse Wertschätzung gegenüber der Arbeit der Pflegefachpersonen. 
Die grundsätzlichen Anliegen der Pflegefachpersonen unterstütze ich daher auch und habe in der Kommission den nachfolgenden Vorstoss initiiert:
https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20190401

Detaillierter können Sie meine Position auf folgendem Link nachlesen. Ich bin im Geschäft Kommissionssprecherin und das ist auch meine persönliche Meinung:
https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/amtliches-bulletin/amtliches-bulletin-die-verhandlungen?SubjectId=48128

Es ist indes eine Frage des Stils, wenn der SBK mit den Gewerkschaften in dieser Krise protestiert und für das Pflegepersonal generell höhere Löhne fordert. Zudem wird völlig ausgeblendet, dass das Parlament seit bald zwei Jahren intensiv an einer gesetzlichen Grundlage zur Aufwertung des Pflegeberufes arbeitet und Bund und Kantone total rund eine Milliarde Franken in eine Ausbildungsoffensive investieren werden.
Ich habe auch immer vertreten, dass das Gesundheitspersonal (wie auch das Reinigungspersonal), das in Covid-Abteilungen arbeiten muss, eine «Covid-Prämie» verdient hat. Ein Teil des Pflegepersonals war im Frühling indes in Kurzarbeit. 
Ich finde es einfach nicht angebracht, dass in der jetzigen Krise eine generelle Lohnerhöhung gefordert wird, während Tausende von Menschen in Tieflohnbrachen Ihren Job verlieren und um Ihre Existenz bangen. Pflegefachpersonen haben immerhin einen sicheren Job.
Mit besten Gesundheitswünschen und freundlichen Grüssen
Ruth Humbel

770 x Danke! und mein Fazit aus dem Debakel der verlorenen Wahl

Mit dem letzten Wahlsonntag enden die Grossratswahlen und ab nächstes Jahr beginnt eine neue Legislatur die liberaler, grüner und linker geprägt sein wird.

Dies ist ein gutes Zeichen für den Aargau auf welches ich mich persönlich freue.

Dennoch darf die SP, als grösste Verliererin, nicht tatenlos sein und darf dieses Debakel nicht einfach so hinnehmen.

Vom grossen Erfolg im Jahr 2016 mit 5 Sitzgewinnen bleibt heute nicht mehr viel übrig. Ich bin überzeugt dass dies nicht an unserer Politik liegt. Auf dem ersten Blick scheint es tatsächlich so dass uns die Grünen einfach die 4 Sitze abgenommen haben. Die Bevölkerung denkt, so scheint es, dass die Grünen und Grünliberalen diejenigen sind welche uns aus der Klimakrise führen können. Die SP machte jedoch schon grüne Politik bevor es die Grünen und die GLP überhaupt gegeben hat. Dennoch wählen die Leute lieber das «Original», wie es gerne betitelt wird, wobei der einzige Unterschied in der grünen Farbe am Logo liegt. Das ist eine Tatsache welche sich in den letzten Wahlen immer deutlicher gezeigt hat und wir werden weiterhin verlieren wenn wir nicht auf unser Original setzen: Sozialpolitik.

Wir können noch so auf grüne Politik setzen. Wenn es aber von aussen aus immer eine «bessere» Partei gibt für diese Thematik, kann uns dies nicht weiterbringen.

Wir können aber wieder das Original werden für Sozialpolitik. Probleme wie AHV und Krankenkassen stehen so hoch im Sorgenbarometer dass es fast schon als Alltag anerkannt wird. Schon heute sehe ich starke Anreize in diese Richtung. Erfreulich ist es sehr.

Auch ist es nicht so dass wir die Klimapolitik auf die Seite legen müssen. Nein ganz und gar nicht. Aber wir müssen den Leuten wieder aufzeigen dass wir das Original sind zu den sozialen Lösungen.

Die einstige SP verlor ihre Arbeiterklasse an die SVP. Heute droht sie die Studenten und Jungen an den Grünen zu verlieren.

Es gibt aber auch schöne Nachrichten: Die SP Bezirk Laufenburg gewann als einziger Bezirk an Wähleranteilen im Gegensatz zu den anderen SP Bezirken. Was die SP Laufenburg an Wähleranteilen schon zu einer SP Hochburg macht im Aargau. Wir haben den 2. grössten Wähleranteil und liegen nur 0.08% hinter Aarau und legen sogar den Bezirk Baden Schachmatt.

Ich engagiere mich nun seit 2018 aktiv in der Politik. Ich erlebte nicht die letzten vollen 4 Jahren und dennoch ist es für mich klar warum Laufenburg der einzige Bezirk war der aus sozialdemokratischer Sicht gewonnen hat, trotz einer starken regionalen CVP, trotz einer SVP als Hochburg und trotz der grünen Welle.

Die Menschen in diesem Bezirk sehen schlichtweg was die SP für sie getan hat. Sie sehen das Engagement von Elisabeth Burgener, Colette Basler und Rolf Schmid. Wie sie den Spitalstandort Rheinfelden und Laufenburg verteidigen, wie sie sich dem Hausärztemangel entgegenstellen und wie ganz speziell Rolf Schmid für Menschen in Asyl einsetzt und eine eigene Gruppe schafft welches als Ziel hat Eingliederung in die Gesellschaft zu vereinfachen. Ganz nach dem Prinzip: Taten statt Worte.

Dieses Engagement wird der Bevölkerung aufgezeigt und als Leistungsnachweis geliefert. Bürgerliche hin oder her.

Mit diesem Prinzip müssen auch andere Bezirke vorangehen. Menschen sehen nicht was im Grossratsgebäude für Voten gehalten werden und welche Knöpfe gedrückt wurden. Es interessiert sie nicht. Sie sehen nur was vor ihrer Haustüre geschieht. Wir handeln schlussendlich für den Menschen.

Selbst möchte ich mich natürlich noch für die 770 Stimmen bedanken die mir zugute kamen. Trotz meines jungen Alters schätze ich das Vertrauen dass mir zugute kommt. Ich spüre dies, sei es in der Bezirkspartei oder sonst im Gespräch mit den Menschen.

Ich könnte mich nicht mehr über die nächsten 4 Jahre freuen. Egal was die Zukunft schlussendlich bringen mag.

Warum links die treibende Kraft ist.

Als ich mich im 2018 dazu bewogen habe politisch aktiv zu werden um nicht nur einfach zu arbeiten und mich zu vergnügen, stellte ich mir die Frage. Wo stehe ich in der Politik? Was ist mir wichtig?

Ich habe mir die Frage gründlich gestellt und mir Zeit gelassen mit der Antwort. Auch wenn sie mir dann doch schnell und logisch erschien.

Die Frage ist einfacher zu beantworten, wenn man sich selbst reflektiert:

Stehe ich am Morgen einfach auf weil ich es für die Wirtschaft tue oder weil ich gern meinen eigenen Lohn erhalten möchte. Ob ich mich mehr freue meine Mitarbeiter*innen zu sehen oder doch eher darüber dass am Ende des Jahres das BIP um 3% gestiegen ist.

Ob ich froh darüber bin, dass mein doch eher älter gewordener Vater einen Sicherheitsschirm namens IV hat, weil er keine Stelle findet. Weil er halt einfach zu alt geworden ist für die Wirtschaft oder mich nun aufregen müsste wenn er eine andere Nationalität hätte dass er nun unsere Steuergelder schluckt oder es schlussendlich diese IV gar nicht braucht. Denn jeder ist ja für sich selbst zu sorgen. Egal ob man vorher mehr als 40 Jahre geschuftet hat.

Oder ob es mir eigentlich egal ist dass alle Menschen heiraten dürfen oder ihr Geschlecht ändern dürfen. Weil ich doch nichts zu sagen habe wie sich andere Menschen fühlen und lieben dürfen. Denn seit wann schadet mir die Liebe eines anderen mich persönlich?

Dass ich jeden Menschen schätze egal wer er ist. Solange er halt einfach kein Arschloch ist. Dafür brauche ich doch keine Rasse, kein Geschlecht, keine Lohnstufe? Eigentlich brauche ich gar nichts dafür.

Der angenommene Vaterschaftsurlaub bringt es für mich auf den Punkt.

Gehe ich arbeiten um zu leben oder lebe ich um zu arbeiten. Arbeite ich für mein Kind oder für die Wirtschaft?

Als Fazit ist die Situation natürlich komplizierter. Aber links ist die treibende Kraft welche mir die Frage lebenswert macht.

Lieber Tod – du bist gar nicht so schlimm

Heute hatte ich meinen letzten Arbeitstag als Lehrling. Ich durfte sowohl beruflich als auch persönlich viel für mich lernen.

Persönliches wie Dich, Tod. Seit ich klein war fürchtete ich mich vor Dir. Ich hatte so fest Angst, dass ich als Primarschüler lange nicht schlafen konnte und nur weinen musste. Ich wollte nicht, dass mein Leben ein Ende nimmt, ohne dass ich irgendwie etwas daran ändern könnte. Es beschäftigte mich teilweise so sehr, dass ich auch meine Grosseltern fragte wie sie denn damit umgingen. Sie würden doch auch bald sterben. Ich erinnere mich noch heute an Ihre Antwort. Dass sie keine Angst hätten, da sie ein erfülltes Leben geniessen konnten. Verstand ich als Kind aber nicht. Wenn etwas gut ist sollte es doch nicht für immer fertig sein.

Meine Grosseltern verstarben. Die ersten Menschen, welche mir sehr nahestanden und die mich als kleines Kind grossgezogen haben wie meine Eltern. Von meinen Grosseltern konnte ich lernen, was es heisst zu lieben. Wirklich zu lieben. Dass man jedem Menschen mit der Freundlichkeit begegnet, der man selbst gerne begegnen würde, egal wer dieser Mensch ist und was dieser Mensch getan hat. Sie haben mir die Eigenschaft eingeimpft, welche mir heute noch so wertvoll ist und ich bin Ihnen endlos dankbar dafür.

Mit dem Alter verschwanden die Tränen und schlaflosen Nächte. Ich akzeptierte es irgendwie. Aber wirklich Frieden finden konnte ich dabei nicht. Jeden Tag erlebe ich etwas. Ich habe meine Gedanken und Ideen und fühle Emotionen. Dass alles will man doch nicht einfach verlieren. Für mich gibt es nichts nach dem Tod. Im Endeffekt weiss ich es natürlich nicht, etwas anderes als schwarze Leere kann ich mir nicht vorstellen. Ausserdem, wann wird man überhaupt mit dem Tod konfrontiert? Er ist ja nicht zu finden im Alltag.

Im Altersheim begegnet man dem Tod immer wieder. Es ist für mich faszinierend und schön zugleich, wenn ich eine 90-jährige Dame in den Tod begleiten darf. Wenn diese Person im Bett und friedlich im Sterbeprozess liegt, ich ihre Hand halten darf und aus Ihrer Bibel lesen kann. Ich ganz allein im Zimmer mit ihr, bis sie schlussendlich das letzte Mal einschläft.

Hier lernte ich meinen Frieden zu schliessen mit dem Tod. Denn ich sterbe hier und jetzt, in dem Moment, in welchem ich dies hier schreibe. Wir alle tun dies, jede einzelne Sekunde lassen wir die Zeit passieren, bis auch wir den letzten Atemzug nehmen. Das einzige was zählt ist was wir aus dieser Zeit machen. Egal ob 19 oder 99-jährig. Mit ein wenig Arbeit kann man immer das Beste aus seinem Leben rausholen, wir haben ja auch nur diesen einen Versuch auf dieses Leben.

Die Chance, dass du überhaupt existierst, hier und jetzt, liegen bei 1 in 102,685,000. Das ist eine Zehn mit 2’685’000 Nullen. Also ein Wunder. In diesem Wunder werden über Jahre Liebe und Verbundenheit aufgebaut egal ob mit Familie, Freunde oder deinem Haustier. Wenn ich das alles so in meinem Kopf setzen lasse dann bin ich froh, dass ich eines Tages sterbe. Egal ob durch einen Autounfall nächste Woche oder als Senior in einem gemütlichen Bett. Denn ich lebe mit dem Wissen, dass ich jederzeit mit einem unvorstellbaren Glück lebe und ich dieses Glück stets versuche weiterzugeben.

Ich hatte nie in meinem Leben Depressionen oder Suizidgedanken. Dafür liebe ich das Leben zu sehr.

Etwas Neues gehört nun dazu. Ist Teil davon.

Das Wissen, dass Du, lieber Tod, gar nicht so schlimm bist wie zuerst gedacht und ich dabei gar keine Angst haben muss. Denn mein Glück wird in anderen Menschen weiterleben.

Statement zu meiner Gemeinderatskandidatur

Ich bin mit dem Ziel in die Gemeinderatswahlen gestartet um gewählt zu werden. Dieses Ziel konnte ich leider nicht erreichen.

Von Enttäuschung spüre ich aber nichts. Ich konnte selber in den letzten Wochen abzeichnen dass es nicht klappen wird. Der Gemeinde konnte ich meine vollste Motivation zeigen. Ich bin mir absolut sicher dass die Bevölkerung im vollsten Wissen darüber abgestimmt hat und eine Frau wählte die von der Erfahrung her punkten konnte, sie wird dieses Amt mit Bravour meistern. Davon bin ich überzeugt.

Mein beruflicher Werdegang bis heute und meine mangelnde Erfahrung als 19 jähriger Jugendlicher kamen mir selber in den Weg. Beides kann ich bis dato nicht oder nur schlecht beeinflussen. Der Rahmen dafür ist aber gesetzt. Seit ich für die Interessen meiner und anderer einsetze, gewinne ich kontinuierlich an Erfahrung. Diese heutige Wahl wird mich von meinem Vorhaben nicht abhalten können, mich weiter in der Politik einzusetzen, sondern sie wird mich nur stärken. Weiter ist gesagt dass der berufliche Werdegang nicht eins zu eins zu dem Ressort Finanzen passt. Ich habe aber auch erst in diesem Jahr die Lehre abgeschlossen und ich werde noch lange in der Berufswelt tätig sein und auch hier habe ich die Möglichkeit mich weiterhin zu verbessern.

Ich freue mich dass ich in diesem demokratischen Prozess mitmischen durfte und zu einer fairen, ausgewogenen Wahl beitragen konnte. Ich danke herzlich allen Vereinen, Parteien und Personen die die Demokratie wahrgenommen haben und mir eine Plattform geben konnten und schlussendlich auch eine Person gewählt haben.

Zuletzt gratuliere ich Frau Jessica Meier zu Ihrer Wahl und wünsche Ihr alles beste dieser Welt. Sie wird in Ihrem Amt brillieren und eine Gemeinde führen können die in ihren Finanzen nicht verzwickter sein könnte.

Hochachtungsvoll

Fabio Haller

"If you love something, you will go to the extreme for it."
- Michael Jordan

Etwas an dich 2020

2020 gilt jetzt schon seit einiger Zeit als ein Jahr, dass mit schlechten Schlagzeilen einfach nicht mehr aufhören will und wir nur noch abwarten müssen bis das nächste Ereignis erscheint. Dabei kann ich mich aber gar nicht erinnern, dass es je ein Jahr ohne deprimierende Nachrichten gab.

Ich persönlich reflektierte noch nie ein Jahr als ein schlechtes Jahr. Jedes Neujahr ging ich mit tollen Erinnerungen in das nächste. Schlussendlich bin ich auch ein positiv eingestellter Mensch.

Auch jetzt.

Egal wie viel beschissene persönliche Erfahrungen ich schon dieses Jahr erlebt habe. Ich könnte dabei nun eine Liste erstellen was jetzt alles passiert ist. Aber eigentlich will ich dies nicht und es ist auch gar nicht mein Punkt.

Denn um ehrlich zu sein ist alles nicht so schlimm, wie es aus meiner teils emotionalen Sichtweise aussieht. Ich habe das Privileg mich stetig von meinen Fehlern zu verbessern und mich zu entfalten. Auch bei Geschehnissen auf die ich keinen Einfluss nehmen kann. Ich kann lernen und das Ziel anstreben, jeden Tag eine bessere Version von mir selbst zu sein. Diese Steine, die mir in den Weg kommen sind schlicht Objekte aus denen ich lernen kann und die zu Diamanten werden können und andererseits ist es einfach so dass wenn sich eine Tür schliesst zwei weitere wieder öffnen.

Immer besser zu werden ist ein Ziel, dass auf Langzeit gilt und zuletzt mit dem eigenen Tod endet. Es ist ein Rennen auf eigenes Tempo und ohne Ziellinie. Dabei fällt man oft hin, egal ob durch eigene Fehler oder durch äussere Einflüsse. Es geht aber gar nicht darum wie oft man hinfällt, sondern wie oft man wieder aufstehen kann und es weiter versucht und weiter geht.

Darum ist 2020 für mich aus persönlicher Sicht gar nicht so schlimm. Es ist wohl das schlechteste Jahr aber auf hohem Niveau. Denn ich kann jeden morgen aufstehen ohne existenzielle Sorgen. Ich kann Freunde und Familie treffen und werde herzerwärmend aufgenommen. Ich habe alle Ressourcen dieser Welt um das Beste Ich zu sein, wie es nur geht.

Dafür bin ich dankbar.

Die Nomination von Dieter Egli – mein Kommentar

«Die Frauenfrage wird noch lange ein stolzes Problem der SP sein»

Ich nominierte Dieter Egli. Direkt gesagt: ich habe einen Mann vor einer Frau bevorzugt, in einer Partei, welche sich die Frauenförderung auf die Fahne geschrieben hat, und ich stehe dazu.

Eine ganze Basis tat das, ausserordentlich deutlich sogar. Dieter Egli verpasste das absolute Mehr im 1. Wahlgang mit nur einer Stimme. Für eine Partei, die sich schon seit langem mit Frauenthemen befasst, ist das ein Problem.

Da kommen wir schon zum ersten Punkt wo ich mich massiv ärgere: das Fingerzeigen auf andere Parteien und andere Gruppierungen. Es ist noch nicht lange her, da zeigte man auf die Grünen. Grund: sie stellten eine männliche Person als Regierungsratskandidat für die Ersatzwahl von Franziska Roth. Unsere Partei sagte ganz klar (so wirkte es zumindest in den Medien), dass es nicht geht in einer zurzeit reinen Männerregierung einen weiteren Mann zu nominieren. Aber jetzt passiert in meiner Partei genau das gleiche.

Mittlerweile wurde eine kompetente Frau bei den Grünen nominiert und ein Teil unserer Partei weiss nicht Besseres, als den Finger auf die eigene Geschäftsleitung zu zeigen.

Dabei ist es nicht die Aufgabe der Geschäftsleitung, eine Kandidatin in einer internen Wahl zu bevorzugen oder zu fördern. Eine Geschäftsleitung hat die Aufgabe, diese gegen aussen an die Bevölkerung zu tragen und gleichzeitig die eigenen Mitglieder zu pushen und für diese*n Kandidat*in auf die Strassen zu gehen. Was bei Yvonne Feri leider nur knapp scheiterte. In einer internen Wahl muss die Geschäftsleitung zu 100% transparent sein (was sie zugegebenermassen leider nicht vollends tat). Wichtiger aber noch ist die Neutralität, was sie dann aber auch vorbildlich tat.

Es ist weder die Aufgabe der Geschäftsleitung noch der Delegierten in einer internen Wahl eine Frau zu fördern. Es ist die Aufgabe der SP Frauen und die der JuSo diese Wahl zu ermöglichen.

So fand ich es grossartig, dass die JuSo 3 Kandidatinnen in das Regierungsratsrennen schickt. Es zeigt auf, dass die JuSo aus der Nomination von Dieter Egli die richtigen Schlüsse gezogen hat. Eigentlich steht mir die JuSo nicht so nahe, trotzdem kann ich diese Nomination unterstützten.

Warum habe ich Dieter Egli gewählt:

Er ist für mich der Kompetenteste für dieses Amt. Dies zeigt sich vor allem durch seine hervorragende Vergangenheit. Das Hearing war für mich nicht genügend ausschlaggebend. Sein gefüllter Rucksack mit Erfahrungen in Justiz und Sicherheit blieben überzeugend – auch nach dem Hearing. Er ist der geschliffene Mann für das Amt. Einfach eine Frau zu sein war für mich kein genügendes Kriterium.

Noch ein Einschub:
Es wäre mir lieber, ein soziales demokratisches gerechtes Parlament für Alle, bestehend aus Frauen und allen Lagern, als einen einzigen männlichen Populisten sehen zu müssen.
Ich brauche kein Geschlecht um mich vertreten zu fühlen. Andere schon (was legitim ist. Aber dann bitte nicht auf Andere zeigen).

Ich kann diesen Blogpost noch doppelt so lang führen:
Aber mein Punkt ist gesetzt. Die Frauenfrage bei Nominationen bleibt ein Grundproblem bei der SP.
Sie darf aber stolz sein dieses Problem zu haben,
denn wir scheuen uns nicht unsere Probleme anzugehen und parteiinterne Diskussionen zu führen wie keine andere Partei. Wir haben unsere Differenzen und dennoch wollen wir alle nur Eines:

Zusammen mehr Gerechtigkeit.

Die Pflege schützt ein Menschenrecht – die Gesundheit.

Heute, der 12. Mai, ist der Tag der Pflege. Ein Tag, an dem uns ein weiteres Mal gedankt wird. Aber eigentlich wird uns 365 Tage im Jahr gedankt. Wir bekommen ein Danke von Patient*innen und Bewohner*innen, von Angehörigen und Politikern und alle sind ganz besonders viel wert, doch letzteres sollte eigentlich ganz speziell sein.

Dieses Danke ist nämlich nicht einfach eines dass man auch bekommt wenn man sein Mittagessen auf den Tisch bekommt, es ist mit dem Wissen verbunden was wir jeden Tag aufwendiges leisten, für eine unmögliche Gegenleistung. Dies ist nicht den kranken Patienten oder den älteren Bewohner*innen geschuldet. Auch nicht den Angehörigen die sich um ihre Nächsten Sorgen machen. Dies ist allein den Politikern unseres Landes geschuldet. Jene Politiker*innen, die noch im Herbst unsere Arbeit als einen Bärendienst anerkennten, aber im gleichen Zug die Pflegeinitiative ablehnten. Weil es halt einfach nicht geht.

Es geht halt einfach nicht dass jene Menschen, die Leben retten und Kranke versorgen, mehr verdienen dürfen. Es scheint so, laut denselben Politiker*innen, dass es aber kein Problem ist Waffen, die Mord und Leid bringen, zu exportieren; sie sehen nur das Geld darin. Für die Menschen in unserem Land sind wir unbezahlbar. Dennoch wird an unserer Initiative geschraubt und getüftelt, dass es ja nicht zu Mehrkosten kommt. Wird dürfen nicht mehr Mittel in Form von Geld oder hochwertigerer Ausbildung bekommen, eine Art Dankeschön auf Schwarz-Weiss in einem Gesetzbuch dass laut Parlament reichen sollte.

An diesem heutigen Tag gibt es kein Fest für uns. Unsere Arbeit wird die gleiche sein wie Gestern und sie wird Morgen noch gleich bleiben. Wenn sich die Politik aber nicht bald ändern wird, wird die Arbeit eines Tages die Grenze überschritten haben. Die Pflege hat ihre Forderungen, aber richtig durchsetzen kann sie diese nicht. Denn wenn die Pflege streikt werden Menschen sterben.