Offener Brief an: Ruth Humbel. «So miserabel verdienen die auch nicht.»

Frau Humbel

In kurzer Sache:

Sind Sie vor den Kopf gestossen?

Ich verhalte mich so frech weil Sie sich einer Branche nicht gerecht verhalten und einer Gesundheitspolitikerin nicht würdig. Na klar haben auch die Menschen bei der Küche und am Besen mehr verdient. Wir alle haben mehr verdient.

Wir protestieren auch nicht gegen diese Menschen. Wir protestieren gegen Menschen wie Sie, Frau Humbel. Die ja unsere Arbeiten schätzen, sie toll finden, ja eben systemrelevant würdigen. Beim Geld hört es dann aber doch auf. Ausbildungsplätze zu schaffen das ist wichtig. Ich gebe Ihnen recht. Aber die Arbeit honorieren wozu auch. Die oberen Chefs bei den Swiss dürfen dass. Die Armee mit neuen Kampfjets darf dass. Aber uns bleibt das Klatschen zu gute.

Die anderen könnnen das weil sie eine Mehrheit an Politiker*innen haben die Ihnen den Rücken stärkt im Parlament, die für Ihre Anliegen eintritt.

Die Pflege muss sich dann mit Menschen wie Sie umschlagen die sich Gesundheitspolitiker*innen nennen. Aber die Arbeit in Ihrer Branche nicht würdigen möchten. Auch wenn wir genau die Menschen sind die sich Tag und Nacht auf der ganzen Schweiz für Ihre Liebsten kümmern.

Wir werden weiter arbeiten müssen, damit Sie Zeit haben solch zynische Aussagen zu stellen und nicht ihre Liebsten selbst pflegen müssen. Auch ohne richtigen Lohn.

Respektvolle Grüsse

Fabio Haller, Fachangestellter Gesundheit

Die Antwort:

Sehr geehrter Herr Haller
Ich stehe in stetem Kontakt mit Pflegefachpersonen sowohl in meinem privaten wie im beruflichen Umfeld und habe eine grosse Wertschätzung gegenüber der Arbeit der Pflegefachpersonen. 
Die grundsätzlichen Anliegen der Pflegefachpersonen unterstütze ich daher auch und habe in der Kommission den nachfolgenden Vorstoss initiiert:
https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20190401

Detaillierter können Sie meine Position auf folgendem Link nachlesen. Ich bin im Geschäft Kommissionssprecherin und das ist auch meine persönliche Meinung:
https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/amtliches-bulletin/amtliches-bulletin-die-verhandlungen?SubjectId=48128

Es ist indes eine Frage des Stils, wenn der SBK mit den Gewerkschaften in dieser Krise protestiert und für das Pflegepersonal generell höhere Löhne fordert. Zudem wird völlig ausgeblendet, dass das Parlament seit bald zwei Jahren intensiv an einer gesetzlichen Grundlage zur Aufwertung des Pflegeberufes arbeitet und Bund und Kantone total rund eine Milliarde Franken in eine Ausbildungsoffensive investieren werden.
Ich habe auch immer vertreten, dass das Gesundheitspersonal (wie auch das Reinigungspersonal), das in Covid-Abteilungen arbeiten muss, eine «Covid-Prämie» verdient hat. Ein Teil des Pflegepersonals war im Frühling indes in Kurzarbeit. 
Ich finde es einfach nicht angebracht, dass in der jetzigen Krise eine generelle Lohnerhöhung gefordert wird, während Tausende von Menschen in Tieflohnbrachen Ihren Job verlieren und um Ihre Existenz bangen. Pflegefachpersonen haben immerhin einen sicheren Job.
Mit besten Gesundheitswünschen und freundlichen Grüssen
Ruth Humbel